Referenz

Stadt Bobingen

Der Friedhof in Bobingen erlebt wie die meisten Friedhöfe derzeit den tiefgreifenden Wandel der Bestattungskultur. Immer öfter fällt die Wahl der Bürger zugunsten einer Urnengrabstätte aus, die Sargbestattungen nehmen rapide ab. Für die Friedhofsbetreiber eine nicht vorhergesehene Situation: vor wenigen Jahrzehnten noch wurden große Reserveflächen für Grabbelegungen vorgehalten. Heute werden oft nicht einmal mehr die bereits belegten Flächen vollständig gebraucht. So entwickeln sich langsam Friedhofsflächen wie Flickerlteppiche, Rasengrün durchsetzt kleinteilig die lückenhaften Grabreihen. Für die Kommunen als Friedhofsbetreiber eine wirtschaftliche Belastung, denn dieses Übermaß an Freiflächen ist aufwändig zu pflegen. Ein gepflegter Friedhof jedoch wird von den Bürgerinnen und Bürgern immer und überall erwartet. Eine weitverbreitete Situation und ein guter Ausgangspunkt für eine ganzheitliche Friedhofskonzeption.

Auch die Stadt Bobingen wollte einen nachhaltigeren Umgang mit den Friedhofsflächen finden, Pflegeaufwand und -kosten begrenzen, dabei gleichzeitig das Grabangebot erweitern und das Erscheinungsbild des Friedhofs verbessern. Zu diesem Zweck wurden wir als umfassender Dienstleister im Bereich Friedhofskonzeption mit der Überplanung des Friedhofs betraut.

Der Friedhof Bobingen enthält in seiner derzeitigen Gestalt sehr unterschiedliche Flächenqualitäten: schöne historische Partien mit altem Baumbestand wechseln zu heterogen belegten jüngeren Flächen bis hin zu jungen Urnengrabangeboten und einer noch unangetasteten Erweiterungsfläche in den Randlagen.

Das neu konzipierte Entwicklungsziel im Zuge der Friedhofskonzeption achtet den Bestand und ergänzt ihn mit modernen Elementen zu einer abgerundeten Gesamtanlage, die auf die aktuelle und zu erwartende Nachfrage nach unterschiedlichen Grabarten abgestimmt ist. Als Grünanlage besonderer Zweckbestimmung wird der Friedhof Bobingen über die reine Friedhofsfunktion hinaus auch Aufenthalts- und Erholungsqualitäten haben.

Die historischen Sarggrabbereiche der Kernzone, durch Hecken in grafische Raster geteilt, bleiben nahezu unverändert erhalten. Hier werden sich auch künftig die traditionellen Sargbestattungen konzentrieren. Wirtschaftshöfe, bislang unschön im Herzen des Friedhofs und an der Aussegnungshalle gelegen, werden an den Randbereich versetzt und funktional modernisiert. Die dann freiwerdenden Flächen werden umgenutzt: an der Aussegnungshalle entsteht eine kleine, symmetrisch aufgebaute Grünanlage analog einem Klostergarten. Die zweite, größere Fläche wird für neue Urnengrabangebote umgestaltet werden. Die zentrale alte Eingangsachse zur Aussegnungshalle, eine Allee mit mächtigem Baumbestand, wird zu einem Lapidarium entwickelt, einer Sammlung alter Grabsteine als Zeugnis der Ortshistorie.

Die an diese Kernzone anschließenden jüngeren Friedhofsflächen werden zu einem Friedpark. Starre Belegungsraster werden gemildert, neue Urnengrabvarianten wie Baum- und Rasengräber oder gärtnergepflegte Grabflächen werden fließend in die Anlage eingearbeitet. Wo nötig, werden Bäume gesetzt oder Gehölze entnommen. Wege verlaufen in großzügigen Windungen, verzweigen sich und führen wieder zusammen. Inseln aus hohen Ziergräsern umschmeicheln locker aufgestellte niedrige Urnenstelen. Auslaufende Sarggrabfelder werden zu Rasen- bzw. den neuen Vorhalteflächen. Die bisherige Vorhaltefläche wird absehbar nicht benötigt werden – jetzt freut sich die Gemeinde über ein unerwartetes neues Stück Bauland im Herzen der Stadt.

Bei aller Ausgestaltung bleibt die Gesamtanlage durch verschiedene Gestaltungsprinzipien flexibel – es wäre vermessen, heute mit Sicherheit vorhersagen zu wollen, welche Nachfrage die Zukunft bringt. Dass dies nicht gelingen kann, haben die Fehlplanungen der Vorratsflächen in der Vergangenheit gezeigt. Wir legen daher großen Wert auf Flexibilität in der Flächenkonzeption und gestalten heute die Spielräume für die Zukunft.

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