Referenz

Stadtteil Hamburg-Harburg

Wie kann ein Friedhofsträger das Grabangebot eines Bestattungswaldes in seinen klassischen Friedhof integrieren und seine Bürger am Ort halten? Diese Frage stellte sich die Friedhofsverwaltung Hamburg-Harburg, in deren Umfeld fünf Fried- und Ruhewälder konkurrieren. Gemeinsam mit uns Friedhofsexperten und unseren Netzwerkpartnern ist eine attraktive Lösung entwickelt worden: auf einer Teilfläche ausreichender Größe entsteht ein naturnaher Bestattungshain für Urnen.

Für die Gestaltung stehen die Streuobstwiesen des Alten Landes Pate, die mit blühenden Wildkräutern und Obstbäumen von Frühjahr bis Sommer und leuchtendem Fruchtbehang im Herbst das Auge erfreuen und darüber hinaus auch ökologisch wertvoll sind. Die Belange der Friedhofsnutzung verlangen dabei einige Veränderungen: Absehbar wird das aus einer Bestattungsfläche stammende Streuobst keine Abnehmer finden. Die Früchte liegen zu lassen ist keine Option. Statt echter Obstbäume werden daher Zierobstbäume gepflanzt. Diese blühen ebenso schön, die Herbstfärbung ist prachtvoll und das lang am Ast haftende Zierobst ist eine winterliche Nahrungsquelle für die Vögel. Ferner müssen die Grabstellen für die Grabbesucher erkennbar und erreichbar sein, das Gras muss daher kurzgehalten werden. Um den romantischen Eindruck und den ökologischen Wert hoher Gräser und blühender Wildkräuter zu erhalten, werden zukünftig Rasenkorridore ausgemäht und Wieseninseln stehen gelassen.

An deren weich schwingenden Randzonen liegen die einzelnen Grabstellen wie zu Ketten aufgereiht. Zum Einsatz kommt das Urnenerdgrabsystem aus dem Hause Weiher, bestehend aus einem Edelstahlrohr und einem Bronzegussdeckel mit zentralem Motivschmuck, dem sogenannten Urnen-Siegel. Hamburg-Harburg hat sich für das Motiv „Lebensbaum“ entschieden. In die Randzonen dieser Abdeckungen sind kleine Schilder eingelassen, die den Namen und das Geburts- und Sterbedatum enthalten. Der exakte Beisetzungsort der einzelnen Urne ist also jederzeit sichtbar und auffindbar, die Trauer der Hinterbliebenen hat eine Adresse – jedes Grab sollte ein erkennbarer Ort sein, so die Überzeugung des Hauses Weiher.

Der Pflegeaufwand für diese attraktive Grabanlage ist denkbar gering: Die breiten Rasenkorridore werden regelmäßig gemäht, die Wieseninseln nur zweimal im Jahr. Durch die geschickte Anordnung der einzelnen Teilflächen ist das Erscheinungsbild der Grabanlage trotzdem jederzeit gepflegt. Für die Grabnutzer ist diese Grabform genauso wie Urnenstelen, Urnenwände, Rasengräber, gärtnergepflegte Grabanlagen oder eben die Bestattungswälder völlig pflegefrei. Im Gegensatz zu den Bestattungswäldern genießen die Grabbesucher in Hamburg-Harburg jedoch alle Vorzüge eines kommunalen Friedhofs: er liegt gut erreichbar und nahe bei, die gesamte Infrastruktur steht zur Verfügung, die Wege sind intakt und gepflegt. In unmittelbarer Nähe zu den Grabstätten werden an verschiedenen Stellen Sitzbänke aufgestellt, sodass für den längeren Aufenthalt am Grab, im Sommer im Schatten der schützenden Obstbäume, ein Angebot vorhanden ist. Dieser Service des Friedhofs ist ein wichtiges Element im Sinne der barrierefreien und altengerechten Gestaltung. Für jeden Grabbesucher ist er ein unterstützendes Angebot für die Trauerbewältigung am Grab.
Bei der Konzeption der Grabanlage wurde auch ein Blick in die Zukunft geworfen: Streuobstwiesen wirken umso anziehender, je größer die zusammenhängende Fläche ist.

In Hamburg-Harburg wurde der zukünftige „Sprung“ der Anlage über den vorbeiführenden Erschließungsweg bereits vorgedacht: die anschließende Fläche ist hervorragend dazu geeignet, Zug um Zug zu einer weiteren Streuobst-Grabanlage entwickelt zu werden

Das konzept überzeugt? Teilen Sie es...
Share on xing
Share on linkedin
Share on twitter
Share on google
Share on facebook
Share on email